Hundeerziehung

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Im April 2008 ist Deco, ein Mix aus Border Collie und English Setter, mit 9 Wochen bei uns eingezogen. Die Zeit zwischen seiner Geburt und seiner Eingliederung bei uns habe ich genutzt, um mich ausgiebig mit dem Thema Hund auseinander zu setzen. Ich habe mich dabei auf die Hundeerziehung konzentriert, um das Zusammenleben gleich auf eine gesunde Basis zu stellen. Dazu habe ich einige Bücher gelesen und viel im Internet recherchiert. Die wichtigsten Tipps habe ich hier zusammengefasst, damit sie auch anderen frischgebackenen Hundehaltern helfen können.


Erziehungsart

Es gibt sehr viele Erziehungsmethoden und es war anfangs nicht leicht, aus dieser Vielfalt eine heraus zu picken. Meine Entscheidung fiel dann aber eindeutig auf das Klickertraining.
Vorweg sei noch gesagt, dass es über den Startzeitpunkt der Erziehung die verschiedensten Aussagen gab. Die einen meinten, man könne sofort mit der Erziehung beginnen, während andere rieten, erst einige Monate damit zu warten. Ich habe sofort damit begonnen und es bis jetzt in keinster Weise bereut.
Deco wurde zuerst auf den Klicker konditioniert, d.h. K/B (Klick/Belohnung). Dabei spielte es anfangs keine Rolle, was er machte (ausser er war nicht "brav"). Es ging erst Mal darum, dass er mit dem Klick das Versprechen für eine Belohnung verknüpfte. Und dies ging rasend schnell. Ich würde sagen, in etwa 15 Minuten hatte Deco das System K/B begriffen. Wir haben dieses "Spiel" auf mehrere Tage verteilt, auch um zu sehen, ob er sich an dieses "System" auch unter unterschiedlichen Umständen wieder erinnert. Allerdings achteten wir darauf, K/B nur dann einzusetzen, wenn der Hund motiviert war. Auch die Umgebung sollte nicht zu viel Ablenkung bieten. So wurden die ersten Übungseinheiten im Haus durchgeführt.

Es war erstaunlich zu sehen, wie einfach es mit K/B war, ihm z. B. die Grundpositionen "Sitz" und "Platz" beizubringen.

Das Klickertraining ist eine Erziehungsmethode, bei der jede Form von Gewalt oder Schmerz verpöhnt ist. Ausschliesslich positives Verhalten wird verstärkt. Das erinnert mich ein wenig an die Aussage des Gründers der Pfadfinderbewegung:"In jedem Jungen steckt mindestens 1% Gutes. Finde es und baue es aus!" – etwas freier wiedergegeben. Würgehalsbänder etc. finden in dieser Methode keinen Platz und wurden von uns auch von vornherein abgelehnt, auch wenn Deco anfangs sehr stark an der Leine zog.

Das Klickertraining erfordert insbesondere vom Hundehalter viel Disziplin, Genauigkeit, viel Zeit und Geduld. Zwischen Tat und Klick dürfen max. 1-2 Sekunden liegen, sonst kann der Hund die Belohnung einem Verhalten nicht mehr zuordnen und der Effekt geht verloren. Daher ist diese Erziehungsart auch nur Hundehaltern zu empfehlen, die entsprechend motiviert sind. Das Web ist voll von Informationen über das Klickertraining. An Literatur hat mir das Buch des deutschen Klicker-Spezialisten Pietrella sehr geholfen. Da man sich zuerst auf positive Eigenschaften konzentriert, kostet dies Erziehungsmethode mehr Zeit, da man "warten" muss, bis das entscheidende Verhalten auftritt.

Die Übungseinheiten wurden kurz gehalten, damit dem Hund (und dem Halter) nicht die Motivation verloren ging. Dafür gab es dann aber mehrere Einheiten über den Tag verteilt.


Der Hund ist ein Hund

Viele Hundehalter vermenschlichen das Verhalten eines Hundes, was ich als Fehler ansehe. Er ist keine Ersatz für ein Baby und muss natürlich ganz anders behandelt werden. In den folgenden Abschnitten gehe ich auf weitere Einzelheiten ein.


Rangordnung

Es ging von anfang an darum, dass Deco mich als Rudelführer akzeptierte. Er spielte die dritte Rolle in der Familie. Um dies zu erreichen darf er beispielsweise immer erst nach uns durch die Tür (der Chef geht zuerst) oder er bekommt nach uns zu essen (der Chef isst zuerst). Deco hat dies sehr schnell verstanden und kommt sehr gut damit klar.


Streicheleinheiten und Spiel

Wenn Deco zum Spielen einlud, wurde das aus Prinzip ignoriert. Um die Rangordnung aufrecht zu erhalten, durften wir seinem "Ansuchen" nicht folge leisten. Wenn einem seine Kulleraugen zublinzelten, war das nur zu oft alles andere als leicht ! Wenn er sich nach dem erfolglosen Versuch in seine Ecke zurückzog haben wir ihn gerufen und er bekam eine Portion Streicheleinheiten – aber es waren eben wir, die den Zeitpunkt festlegten und nicht er ! Das ist eine sehr schwere Übung für die meisten Hundehalter, gerade wenn man den Welpen vor sich hat, der ja so süss ist. Allerdings riskiert man, dass der Platz des Rudelführers angekrazt wird, da der Hund entscheidet und man ihm folgt. Daher hart bleiben und dem Ansuchen zeitversetzt nachkommen. Bei Einladungen zum Spielen gehen wir genauso vor. Wir entscheiden, wenn gespielt wird und wenn damit aufgehört wird.


Respekt

Ein Hund ist kein Spielzeug und ein Border Collie schon gar nicht. Ãhnlich wie gegenüber Menschen spielen wir unsere Position nicht des Prinzips wegen aus. Ich rufe ihn nicht, weil ich nur Zeit für drei Streicheleinheiten habe und um ihn danach wieder in die Wüste zu schicken. Wenn ich den Hund rufe, dann habe ich auch einige Minuten Zeit für ihn.  Diese Verhalten konnte ich bei vielen anderen Hundehaltern oder Personen, die mit Deco in Kontakt kamen, beobachten. Es erschien mir als unsinniges und unüberlegtes Machtgeplänkel, das von mir abgewürgt wurde, indem ich diese Personen darüber aufklärte und sie bat, dieser Eisntellung nachzukommen oder den Hund einfach in Ruhe zu lassen.


Futter

Nichts im Leben gibt es umsonst. Diese Regel behalte ich immer im Kopf, wenn es um die Entscheidung geht, dem Hund eine Belohnung zu geben. Erst muss er für mich etwas tun, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist (z. B. ein "Sitz" oder "Platz"), um dann eine Belohung zu erhalten. Das heisst auch, dass bei uns nichts zufällig "vom Tisch" fällt.
Deco bekommt zwei Mal am Tag Futter (morgens und abends). Zwar stiessen wir immer wieder mal auf die Info, nur einmal am Tag Futter zu geben, aber wir denken, dass der Hund ja nicht blöd ist. Er sieht uns drei Mal am Tag beim Essen zu und bekommt selbst nur einmal etwas zu fressen. Aus "psychologischen" Gründen bekommt Deco also zwei Mal etwas zu futtern.
Wichtig: wenn mit K/B trainiert wird, muss ihm das von seiner Essensration wieder abgezogen werden. Sonst wird aus einem drahtigen, sportlichen Hund schnell ein fettes Knäuel.


Verbote

Was einmal verboten wurde, bleibt auch für immer verboten. Auch wenn dies vom Hundehalter einiges an Disziplin (und Erinnerungsvermögen) abverlangt, ist es dennoch sehr wichtig, da der Hund sich sonst nicht orientieren kann. Ein Verbot wird daher auch nicht aus einer Laune heraus ausgesprochen, sondern weil ein Bedarf besteht. Mir wird immer ganz Übel, wenn ich dieses Verhalten bei einigen Eltern sehe, die ihre Kinder ständig herumkommandieren – des Kommandierens wegen. Auch beim Hund zeugt dies von launischem und unüberlegtem Verhalten des Halters.


Sauberkeit

Wir hatten vielleicht viel Glück dabei, das Deco gleich sauber war und wir später nur zwei mal Erbrochenes im Haus fanden. Deco half uns dabei aber auch sehr, indem er klar ankündigte, wenn er mal musste. Meist war dies im Bereich von etwa 30 Minuten nach dem Füttern. Ich erinnere mich noch gut an einen "Unfall", bei dem Deco eine volle Ladung (also Pipi und Kacka) in einer Wohung ablegte, weil ich seine Zeichen nicht richtig deutete. Das ist natürlich super peinlich, aber ganz klar mein Fehler und nicht der des Hundes. Nur allzu oft habe ich dies auch gelesen. Pieselt der Hund mal ins Haus, hat oft der Halter nicht aufgepasst. Also bitte den Hund für die eigene Nachlässigkeit nicht bestrafen!


Sozialisierung

Wir hatten überlegt, Deco in eine Welpengruppe zu geben, damit sein Sozialverhalten geprägt wird. Dies hat sich aus zeitgründen zerschlagen, wobei wir versuchten, Deco bei jeder Gelegenheit eher mit älteren Hunden in Kontakt zu bringen. Diese waren i. d. R. sehr cool, was natürlich ein sehr angenehmens Vorbild für einen noch sehr jungen Hund ist. Allerdings würde ich sagen, dass der Besuch einer Welpengruppe sicher nicht schadet. Darüber hinaus versuchen wir, Deco mit so vielen Dingen und Situationen wie möglich in Kontakt zu bringen. Auto fahren, grössere Menschenansammlungen, Feiern etc. All das gehört zum Leben dazu und der Hund sollte eher früher denn später damit vertraut gemacht werden.


Anweisungen und deren Beständigkeit

Gerade bei Anweisungen muss man darauf achten, dass ein "Sitz" auch ein Sitz bleibt und nicht zu einem "komm, Sitz" wird. Für den Hund sind das zwei verschiedene Aussagen. Also dann nicht wundern, wenn das gewünschte Ziel nicht erreicht wird. Es ist auch darauf zu achten, dass der Hund sehr stark auf die Körperposition seines Halters achtet, wenn er eine Anweisung bekommt. Manche behaupten, dass die Haltung dabei vom Hund eine höhere Priorität bekommt, als das gesprochene Kommando. Tatsache ist, dass Deco bereits an meiner Handhaltung erkennt, ob ein "Sitz" oder "Platz" verlangt wird. D.h. ich habe beim einstudieren der Kommandos auch immer die gleiche Körperposition (Hand- oder Armposition) eingenommen. So genügt heute nur ein wortloses Zeichen und Deco versteht sofort, was zu tun ist.

Die Anweisung sollte sehr kurz sein. Dabei sind einsilbige Wörter vorzuziehen (siehe "Sitz" oder "Platz"). Mit einem Wortwasserfall nach dem Muster "Komm her und mach Sitz" kann der Hund überhaupt nichts anfangen. Er kann den Satzteilen keine Wichtigkeit zuordnen. Also Anweisungen eher kurz und knapp halten.

Wenn Sie ihrem Hund eine Anweisung geben, dann bestehen sie auf deren Ausführung. Sollte der Hund gerade keine richtige Lust darauf haben, dann lassen sie nicht gleich locker, sondern wiederholen die Anweisung. SIE sind derjenige, der den Ton angibt.

Hier ein paar Bilder von Deco :


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