Gleitschirmunfall

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Am Sonntag, den 26.02.3006, hatte ich das einscheidenstes Erlebnis meiner Gleitschirmkarriere.

Ich wäre fast sehr schwer verunglückt. Super Wetter, viele Piloten in der Luft. Als das Wetter umschlug, begann ich, Höhe abzubauen. Plötzlich kam ich in einen Abwind, der 3/4 des Schirmes einklappen lies. Als sich der Schirm wieder öffnete, schoss dieser nach vorne und befand sich auf Höhe des Horizontes. Ich fiel einige Meter freien Fall nach unten. Der Schirm hatte nochmals einen Einklapper und fing an, negativ nach hinten zu drehen.

Ich verfiel also in eine sog. Negativspirale. Es war mir unmöglich, den Schirm zu kontrollieren, da auch alles unglaublich schnell ablief. Auf gleicher Höhe mit dem Schirm rotierte ich nach unten. G-Kräfte drückten mich in den Sitzgurt und durch die Verdrehung überkreuzten sich die Leinen vor meinem Gesicht, was meinen Oberkörper blockierte.

Am Boden und in der Luft ist allen das Herz stehen geblieben. Der einzigste, der nun ums überleben kämpfte und super beschäftigt war – das war ich.
Ich versuchte, den Rettungsschirm zu finden, was durch das Rotieren nicht einfach war. Durch die dicken Handschuhe konnte ich den Griff auch nicht so leicht erfühlen. Letztlich fand ich diesen und konnte ihn aus dem Container reissen und weg schleudern.

Gerettet, dachte ich. Aber durch die Rotation verfing sich der Rettungschirm im Hauptschirm und konnte nicht richtig öffnen. Kein Ahnung, wie hoch ich noch war. Verzweifelt versuchte ich, den Hauptschirm – sozusagen während einer Achterbahnfahrt hoch 10 – zu mir zu ziehen, damit Platz für den Rettungsschirm geschaffen werden konnte. Ich weiss nicht, ob ich es schaffte, oder sich das alleine richtete. Auf jeden Fall befreite sich der Rettungsschirm und die Rotation hörte auf.

Erst jetzt sah ich, dass ich nur noch 40-50 über Grund am Rettungsschirm hing. Ich musste also in den wenigen Sekunden des Überlebenskampfes fast 300m mehr oder weniger im freien unkontrollierten Fall nach unten gerauscht sein.

Jetzt kam noch das Problem der Landung, da ein Rettungsschirm nicht gesteuert werden kann. Nach dem vertikalen sinken, packte mich knapp über Grund noch eine Böe, die für eine unsanfte Landung sorgte. Da ich einen Sitzgurt mit Airbag anhatte, landete ich auf diesem Luftkissen, wurde aber zur Seite über die Geröllhalde weggeschleudert. Mein Helm hat dabei ganz schön was abbekommen.

Nachdem ich mich sortiert hatte, rief ich über Funk zurück, dass ich in Ordnung bin.

Befreundete Piloten eilten zu mir, um zu sehen, wie es mir geht. Alles in allem habe ich ausser einer Prellung am Unterarm und an der linken Schulter nichts weiter abbekommen. Sicher hab ich einiges an Glück gehabt und zudem in der Rotation nicht den Kopf verloren. Dass ich die Ruhe bewahrt hatte, verdanke ich wahrscheinlich meiner Tätigkeit als Profiausbilder für Canyonführer. Dort wird sowas immer wieder trainiert.

Das Fliegen lasse ich mir durch den Vorfall allerdings nicht vermiesen. Ich war wohl im falschen Moment am falschen Ort. Es hätte jeden erwischen können. Ich werde auf jeden Fall wieder in die Lüfte steigen, auch wenn es wahrscheinlich nie mehr so sein wird wie davor.



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